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Wärme Dämmstoffe im Einsatz

Ein Altbau als Energiesparwunder

Energetische Sanierung ermöglichte in Mannheim ein Passivhaus im Bestand mit extrem niedrigem Energiebedarf

Ein Altbau und niedrige Betriebskosten schließen einander nicht aus – das hat der leitende Architekt Roland Matzig von r-m-p passivhaus architekten an einem Gebäude aus den 1930er-Jahren im Mannheimer Stadtteil Almenhof bewiesen. Durch eine energetische Sanierung und ein ausgeklügeltes Energiekonzept ist das ehemals marode Wohn- und Geschäftshaus nun effizienter als viele Neubauten.

„Sowohl der Zuschnitt der Räume als auch die Energiebilanz entsprachen bei Weitem nicht mehr den heutigen Standards“, erklärt Architekt Roland Matzig, der sich gemeinsam mit weiteren Fachplanern aus Mannheim ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hatte: „Der Umbau sollte wenigstens um 50 Prozent besser werden, als es der Mindeststandard vorschreibt.“ Bei einem jährlichen Primärenergiebedarf von fast 325 Kilowattstunden pro Quadratmeter und einer Einstufung im Gebäudeenergieausweis, die bereits in den roten Bereich übergeht, eine echte Herausforderung. Mit kreativen Ideen und modernen Materialien konnte das Team um Roland Matzig sie hervorragend meistern.

Neuer Grundriss für neue Nutzung

Das Mannheimer Wohn- und Geschäftshaus war während des zweiten Weltkriegs teilweise zerstört, anschließend in den 1950er-Jahren wieder aufgebaut und später um verschiedene Anbauten ergänzt worden. Bei der Sanierung wurde das Gebäude daher zunächst mit einem neuen Grundriss versehen. Die Büroetage im Erdgeschoss erhielt einen Anbau mit Holzfassade. Im Obergeschoss wurden zwei zunächst voneinander getrennte Wohnbereiche zu einer großzügigen Maisonette-Wohnung zusammengefügt. Insgesamt hat das Haus eine Nutzfläche von 350 Quadratmetern, auf der Arbeiten und Wohnen in einem modernen Umfeld in Einklang gebracht werden.

Effektive Dämmung ermöglicht Niedrigenergie-Standard

Der wichtigste Schritt, um die selbst gesetzten Ziele bei der Energieeffizienz zu erreichen, war ein entsprechend effektives Dämmsystem. „Um in allen Bereichen eine optimale Wärmedämmung realisieren zu können, haben wir je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Materialien verwendet“, erklärt Roland Matzig. Für Anbau und Kellerdecke wählten die Planer XPS. Der Dämmstoff aus extrudiertem Polystyrol-Hartschaumstoff hat einen hohen Wärmedämmwert und weist dank seiner speziellen Herstellungsweise weitere positive Eigenschaften auf. Durch eine geschlossene Zellstruktur ist er besonders druckfest und verrottungsbeständig und unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Eines der Haupteinsatzgebiete ist die sogenannte Perimeterdämmung, bei der das Dämmmaterial unter der lastabtragenden Bodenplatte dem Gewicht des Hauses und an den Kellerwänden der Feuchtigkeit aus dem Erdreich standhalten muss.

Beim Anbau des Mannheimer Gebäudes wurden die XPS-Dämmplatten in einer Stärke von 30 Zentimetern direkt in die Wände der Holzbrettstapelkonstruktion integriert. Die Kellerdecke wurde gleich mehrfach gedämmt: von unten mit 10 Zentimetern Mineralwolleplatten, von oben mit 25 Zentimetern XPS. Bei der oberen Dämmung kam die hohe Druckfestigkeit und damit die Begehbarkeit des Materials zum Tragen. „Zusätzlich zu den Flächen der Kellerdecke haben wir die Kellerwände von innen und außen mit einer Flankendämmung versehen, die einen Meter tief unter die Erde reicht“, erläutert Architekt Roland Matzig. „Damit sind Energieverluste über die Kellerdecke effektiv vermieden.“

Energiebedarf wird erneuerbar gedeckt

Der Energiebedarf des Hauses ist nach der Sanierung so niedrig, dass er sich problemlos nachhaltig über erneuerbare Energien decken lässt. Das Dach wurde mit den Flachkollektoren einer solarthermischen Anlage versehen. Den darüber hinaus bestehenden Heizwärmebedarf liefert ein Wärmepumpenkompaktgerät, das die Energie aus vier 30 Meter tiefen Erdsonden zieht. Eine Komfortlüftungsanlage mit 95 Prozent Wärmerückgewinnung sorgt für einen regelmäßigen Luftaustausch in den Räumen und vermeidet Energieverluste über die somit nicht notwendige Fensterlüftung. Roland Matzig: „Mit der energetischen Sanierung haben wir den Energiebedarf des Hauses auf weniger als ein Zehntel reduziert.“ In Zahlen bedeutet dies: von 324,9 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sank der Bedarf auf 29,3 Kilowattstunden. Die Einstufung im Gebäudeenergieausweis ist damit in den dunkelgrünen Bereich gerutscht. Mit der energetischen Sanierung haben die Planer ein Beispiel für ein Bauprojekt gegeben, das die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt: Denn pro Jahr werden rund 30 Tonnen CO2 auf diese Weise eingespart.